FlühMühKüh und Pecore Marrone in der großen Glaskuppel der Leipziger Buchmesse 2017

 

Über das fachgerechte Erstürmen von Burgen -
Ein Leitfaden für Anfänger und Fortgeschrittene

 

 

Die Leser der ersten beiden FlühMühKüh - Bücher werden es sicher bereits wissen, für alle Neulinge dagegen möchte ich erklären: Ich bin ein leidenschaftlicher Erstürmer von Trutzburgen, Festungen, Schlossruinen und dergleichen. Schon kurz, nachdem ich bei den Patzelts aufgenommen wurde, also noch während meiner allerersten Ferien in Tirol, war es mir vergönnt, an der glorreichen Bezwingung eines altehrwürdigen Gemäuers durch Martin, Cäcilia und Anne teilzunehmen. Dort allerdings noch ziemlich versteckt in Martins Jackentasche, denn ich hatte zwar in der Bonifazius - Buchhandlung mehrere Bücher über alte Burgen und die Ritterzeit gelesen, konnte aber verständlicherweise keinerlei Praxis bei derlei komplizierten und auch gefährlichen Unternehmungen vorweisen. Inzwischen aber wehen über vielen Trutzburgen im In- und Ausland die Fahnen des Scholly und des FlühMühKüh als weithin sichtbares Zeichen der Bezwingung durch uns. Ja, denn auch das Schaf mit der grünen Pelzkappe hat sich mittlerweile als überaus fähiger und tapferer Gefährte bei derartigen Missionen erwiesen, von denen in einigen nachfolgenden Reiseberichten noch zu lesen sein wird. Wir möchten nun in diesem speziellen Kapitel unser geballtes Wissen über all die wichtigen Dinge bei der Erstürmung von Burgen oder Festungen an den Leser weitergeben, um eventuell vermeidbare Schäden an Mensch oder Gemäuer auszuschließen.

 

Was man sich sofort aus dem Kopf schlagen kann, sind solche heutzutage überholten Methoden wie tagelanges Belagern, Aushungern oder ein sturmreif Schießen mit Kanonen oder Steinschleudern. Vielmals wird es bereits an den entsprechenden Gerätschaften mangeln, und außerdem gibt es schon genügend in der Landschaft herumstehende Ruinen.

 

Unbedingte Voraussetzung ist ein sicheres Entdecken beziehungsweise Auffinden des auserwählten Bauwerks. Man sollte nicht glauben, mit was für teilweise fiesen und irreführenden Tricks da gearbeitet wird. Ein Beispiel: Eben noch zeigte der entsprechende Wegweiser zur Burg Sowieso nach rechts und noch etwa zwei Kilometer Entfernung an, kurz darauf sollen wir wieder zurückmarschieren, und zwar vier Kilometer. Nach mehreren Stunden Im-Kreis-Laufen kann man die ganze Stürmerei wegen Desinteresses oder Ermattung der Beteiligten erfolglos abbrechen. Der Leser sieht also, wie ungemein wichtig diese allererste Phase ist.

 

Ist man dann glücklich am Eingang beziehungsweise am Tor angekommen, empfiehlt es sich, ein paar Gold- oder Silbermünzen bereitzuhalten, um den meist vorhandenen Wächter gnädig zu stimmen. Er wird sich für diese nette Geste sicher mit ein paar bunten Zetteln (auch "Eintrittskarten" genannt) und dem ungehinderten Einlass bedanken. Ein Zücken des vorhandenen Schießzeuges ist als Alternative nicht empfehlenswert und hat schon für gewisse Irritationen beim Sicherheitsdienst oder der alarmierten Polizei gesorgt.

 

Apropos Schießzeug: Wir als durch und durch humanistische Plüschmaskottchen verwenden unsere kleine Vorderladerpistole natürlich nur zu abschreckenden Zwecken, und wir laden kein Schwarzpulver und gehacktes Blei, sondern nur Pfeffer aus garantiert kontrolliertem ökologischen Anbau, also grünen. So werden (weitere) Schäden am historisch wertvollen Bauwerk vermieden und trotzdem erreicht man eine effektive Wirkung bei Spukgestalten, Räubern oder Poltergeistern. Manchmal, wenn das Ding vorschnell oder versehentlich ohne Warnung abgefeuert wird, leider auch bei der eigenen Familie ...

 

Die nächste Phase ist eine der entscheidendsten: die rasche Einnahme des Burgturmes, teilweise auch "Burgfried" genannt. Rasch deshalb, weil sich erfahrungsgemäß die letzten Verteidiger dorthin zurückziehen wollen, sobald sie merken, dass gegen uns kein Kraut gewachsen ist. Dies weiß ich aus eigener Erfahrung und aus zahlreichen Büchern und Filmen. Langwierige Scharmützel auf den meist engen Wendeltreppen und das aufwendige Nach-oben-Treiben der Landsknechte (beziehungsweise anderer Urlauber) lassen sich vermeiden, wenn man schnell genug dieses wichtige Bauteil der Burg einnimmt. Außerdem ist die Aussicht von dort meistens am schönsten und unsere mitgebrachte Fahne soll ja auch noch gehisst werden. Ganz abgesehen vom Beweisfoto, dass sich dort prima schießen lässt.

 

Nun, nachdem der letzte Widerstand gebrochen wurde, kann man sich etwas Erholung gönnen und an die Besichtigung des eroberten Bauwerkes gehen. Auch kann jetzt an die Stärkung der wackeren Mitstreiter gedacht werden, falls die Burgschänke nicht gerade ihren Ruhetag eingelegt hat oder sogar durch völlige Abwesenheit glänzt.

 

Wo wir gerade beim Thema "Schänke" sind: Klagegeräusche oder lautes Jammern müssen nicht unbedingt aus dem in den unterirdischen Gewölben liegendem Folterkeller kommen, sondern können durchaus von Touristen stammen, die in der überfüllten Restauration vergeblich auf einen Platz hofften und nun dem Zusammenbruch nahe sind. Auch das haben wir schon mehrfach erlebt, und hier ist der Begriff "Aushungern" wahrscheinlich auch entstanden.

 

So hoffen wir, mit diesem kleinen Exkurs in die Kunst des Burgenstürmens dem Neuling oder auch dem Fortgeschrittenen ein wenig Wissen über diese interessante Freizeit- und Urlaubsbeschäftigung vermittelt zu haben.

 

Abschließend sollte allerdings eine Spezies von Burgen, Schlössern und ähnlichen trutzigen Bauwerken nicht unerwähnt bleiben, an denen jeglicher Versuch der Eroberung von vornherein als sinnlos eingeschätzt werden muss und wo selbst wir uns geschlagen geben mussten. Nicht etwa, weil die Mauern zu hoch, der Wassergraben zu tief oder die aufgestellten Kanonen zu furchteinflößend waren. Nein, es reichte schon ein gut sichtbares Schild am Tor oder am Eingang, ein Schild mit der fetten Inschrift : PRIVAT! Und da hilft auch kein gezücktes Schießzeug mit gemahlenem grünen Pfeffer ...