Die Zeitbremse

 

Wertvolle Tipps eines Plüschmaskottchens, damit die Ferienzeit nicht so schnell vergeht

 

 

"Ach ja", seufzt das FlühMühKüh und betrachtet nachdenklich den Inhalt des kleinen Köfferchens, den es zusammen mit dem Scholly nun nach Ende unseres Urlaubs am Chiemsee erfolgreich entleert hat. Die beiden sitzen inmitten von Stocknägeln, Ansteckern, seltenen oder selten aussehenden Gesteinsbrocken und anderen Mitbringseln und Andenken sowie ihrer mitgenommenen Grundausrüstung wie Fernglas, Fotoapparat, Schießzeug, Kompass und dergleichen. Eine ganze Menge für zwei doch eher kleine Plüschfiguren.

 

Man muss sich das wirklich einmal auf der Zunge zergehen lassen: Das Küh - unser Maskottchen und DIE Frohnatur überhaupt - seufzt! Eine überaus seltene Gemütsäußerung, an der man erkennen kann, welche Wehmut das kleine Plüschwesen nun nach unserer Heimkehr beschlichen hat.

 

Zusammen mit dem Plüschschaf versuche ich es ein wenig aufzumuntern.

 

"Sieh mal", meine ich, "der nächste Urlaub oder die nächste Reise kommt bestimmt. Und dann packt ihr zwei wieder das Notwendigste hier hinein" - dabei deute ich auf den kleinen Koffer - "und die Welt ist sofort in Ordnung. Denn nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub!"

 

"Das ist ja nicht das eigentliche Problem, das mit dem Kofferauspacken nach den Ferien." Das Küh sieht mich mit seinen schwarzen Knopfaugen an.

 

"Es ist die Zeit, die während des Urlaubs scheinbar die Siebenmeilenstiefel anzieht. Vorher ziehen sich die Monate und Wochen wie zäher Kaugummi in die Länge. Aber dann: Kaum sind wir angekommen, - schwupps! - sind die 14 Tage vorbei und wir fahren wieder nach Hause. Und dabei haben wir uns doch schon so lange und so sehr auf die Reise gefreut!"

 

"Wir haben doch aber auch keinen Tag verplempert", ergänzt das Scholly, womit es wirklich den Nagel auf den Kopf trifft. Denn auch bei nicht so schönem Wetter lagen wir keinesfalls auf der faulen Haut, sondern haben immer etwas Sinnvolles unternommen. Oder hätten wir gar am Ende etwas mehr auf der faulen Haut liegen sollen?, beschleicht mich ein Gedanke angesichts dieser Diskussion.

 

"Vielleicht sollte man seine Vorfreude ein wenig dämpfen", grübelt das Küh. "Oder sich gar nicht mehr auf den Urlaub freuen. Quasi diese Einstellung: Och nö, Urlaub, will ich nicht, mag ich nicht, lass mich bloß mit diesem Zeug zufrieden! Denn bei Sachen, die keinen Spaß machen, vergeht die Zeit viel langsamer!"

 

"So ein Quatsch!" Das Scholly ist manchmal sehr direkt, hat aber gewissermaßen recht.

 

"Dann suchen wir uns wohl vorsätzlich eine anerkanntermaßen gruslige Gegend mit den miesesten Unterkünften heraus, bloß damit die Urlaubszeit nicht so schnell vergeht, was? Dass man sich schon am ersten Tag auf die Heimfahrt freut, oder wie? Da können wir ja gleich zu Hause bleiben!" Es schüttelt, missbilligend brummelnd, den Kopf, dass die Klappen seiner grünen Pelzkappe fliegen.

 

"Man müsste", kommt der nächste Vorschlag des Kühs, "eine Zeitbremse beziehungsweise einen Zeitanker konstruieren. Die Raketentechnik ist doch schon so weit entwickelt, da sollte es doch möglich sein, einen Anker mit einem langen, hier unten befestigten Seil in den Weltraum zu schießen, der sich auf einem anderen Planeten festhakt und die Umdrehung der Erde abbremst. Natürlich nur in der Zeit unserer Ferien!"

 

Das ist der Moment, wo wir uns, also das Scholly und ich, instinktiv an den Kopf fassen. Aber unser Plüschküh hat noch einen auf Lager.

 

"Wir fragen mal in China nach, ob die dort lebenden 1,4 Milliarden Menschen bereit wären, gleichzeitig in die Luft zu hüpfen und sich dann beim Aufkommen mit einem Bein nach hinten abzustoßen. Praktisch wie beim Tretroller fahren. Und das Ganze entgegen der Drehrichtung der Erde. Dann könnte man vielleicht noch ein oder zwei Urlaubstage hinzugewinnen!"

 

Aus Richtung des Schafes ist ein Stöhnen zu vernehmen. "Es hat wieder mit Bonifazius Schwein telefoniert", bricht es aus unserem Scholly heraus, "ich hab`s geahnt! Allein wäre es nie auf solche verrückte Ideen gekommen!"

 

Ich möchte jetzt nicht den weiteren Fortgang dieses Gedankenaustausches unter Plüschmaskottchen über die Konstruktion von Zeitbremsen wiedergeben. Aber ein bisschen hat das FlühMühKüh schon recht. Also damit, dass die schönen Tage des Urlaubs meistens wie im Fluge vergehen, während die Uhrzeiger bei nicht so tollen Angelegenheiten anscheinend gar nicht weiterrücken wollen. Oder geht es euch etwa anders?

 

Jedenfalls, das muss ich hier leider erwähnen, sind die beiden Freunde zu keinem wirklichen Ergebnis gekommen.

 

Aber vielleicht haben ja die Leser dieses Textes ein paar Vorschläge, wie man dieses leidige Problem lösen könnte. Das FlühMühKüh, das Scholly Mäh und natürlich auch ich würden uns über Ihre und eure Ideen sehr freuen.

 

Damit die nächsten Ferien nicht ganz so schnell zu Ende sind.